Montag, 14. Oktober 2013

Selbst schuld

Eine Zweitklässlerin fragt mich, ob ihre Mutter eine Klassenkameradin mitnehmen dürfe. Die beiden seien auf eine Geburtstagsfeier eingeladen. Die Eltern des anderen Mädchens wüssten Bescheid. Ich versprach, das zu klären, sobald sie abgeholt sei...

Um 15 Uhr wurde das Mädchen abgeholt. Nur leider wusste ihre Mutter rein gar nix davon, dass sie noch jemanden mitnehmen solle. Sie hatte auch keinen 2. Kindersitz dabei...Bot sich aber an, das Mädchen mitzunehmen und vorher einen 2. Sitz zu besorgen...Ich wollte das natürlich mit den Eltern des anderen Mädchens abklären...nur leider bekam ich keinen ans Telefon.

Kind 1 wurde also abgeholt, Kind 2 musste bei uns bleiben und warten...

Um 16 Uhr dann kamen auch die Eltern des anderen Mädchens, die natürlich von nix wussten. Geburtstagsfeier ja, man wolle noch schnell ein Geschenk holen fahren...

Ich redete noch ein bisschen mit dem Vater, während zwischen dem Mädchen und ihrer Mutter ein Streit ausbrach. Nix wildes (okay, fremde Sprache-ich verstand eigentlich nix^^), das Mädchen kreischte etwas, die Mutter schimpfte.
Und der Vater? Zählte: "Eine Woche!"
Mädchen kreischt weiter...Vater: "Zwei Wochen!"

Ich fragte dann mal ganz neugierig, was er denn damit meine...
"2 Wochen keine Kindersendungen, kein Fernsehen, keine Wii, kein rausgehen, kein Verabreden, keine Geburtstage, keine Süßigkeiten! Selbst schuld..."

Der zieht das auch durch. Oh man, wenn ich da an meinen Kurzen und sein Geschrei denke...Der darf mindestens bis zu seinem 18. Lebensjahr absolut gar nix mehr =) =) =)

Freitag, 11. Oktober 2013

Trauer bei Kindern

Nennen wir ihn mal Happy. Happy ist ein Hund. Happy gehört einer Drittklässlerin. Besser gesagt gehörte. Denn Happy musste eingeschläfert werden. Das ganze ist schon ein paar Tage her, aber dennoch leidet das Mädchen noch heute unter der Trennung...So kam sie heute also ganz verweint aus der Klasse...

Ich: "Warum weinst du denn so? Was ist passiert???"
Mädchen: "Ich vermisse Happy so sehr!"
Ich: "Ohje, das kann ich gut verstehen, dass du deswegen traurig bist!"
Mädchen: "Mein ganzes Leben ist beschissen... Ich bring mich um!"
Ich (absolut geschockt): "Nein, das Leben geht weiter. Dein Leben hat noch soooo viel tolle Seiten. Und es gibt noch jede Menge zu erleben!!!"
Mädchen: "Egal. Ich steig auf den Balkon im 3. Stock und dann lass ich mich fallen. Dann bin ich endlich wieder bei Happy!"

Nur mal kurz: Ich fand es wirklich krass, wie dieses Mädchen denkt. Sie weiß, dass Happy verstorben ist. Sie glaubt daran, dass alle Verstorbenen in den Himmel kommen und sich dort wiedersehen. Diese Realisation von "wenn ich sterbe, dann bin ich im Himmel wieder bei ihm" hat mich echt für kurze Zeit sprachlos gemacht...
Aber dann:

Ich: "ich glaub dir, dass er dir wirklich fehlt, denn er war ja ein guter Freund für dich. Aber das ist trotzdem kein Grund, sein Leben zu beenden..."
Sie: "Doch!"
Ich: "Ist es denn nur wegen Happy, oder bedrückt dich sonst noch etwas?"
Sie: "Immer wenn ich jemanden ganz dolle lieb habe, dann geht er. Happy ist weg und DU bald auch!"

Verlustangst. Aber wie. Ich kann das Mädchen verstehen. Happy fehlt ihr, ich bin ihre absolute Bezugsperson in der Schule. Das traumatisiert. Ich konnte sie aber dann doch davon abbringen, vom dritten Stock zu springen. Im Endeffekt glaube ich auch nicht wirklich, dass sie es wirklich machen wollte. Schockiert hat es mich trotzdem, dass sie alleine so weit denkt...

Fazit: Einen Pudding mit mir zu essen, macht deutlich mehr gute Laune =)

Donnerstag, 10. Oktober 2013

Wegen nichts eigentlich

Heute hat eine Zweitklässlerin (A) einen derartigen Aufstand geprobt. Eigentlich wegen nix. Für sie ging es aber um alles oder nichts! Und das sogar zweimal in zwei Stunden...Puuuh

Mittags bekommen die Kinder immer einen Nachtisch nach dem Essen. Mal Kuchen, mal Pudding, mal Obst. Und heute gab es dann den beliebten Wackelpudding. Davon dürfen sich die Kids höchstens 2 Personen holen...
A und B (dicke, ganz enge Freundinnen) kommen also zu mir, holen sich ihre erste Portion ab. B ist relativ schnell fertig, kommt also erneut zu mir. In dem Moment bittet mich eine Kollgin kurz etwas zu holen. Ich nehme also das leere Schälchen von B und stelle es kurz zur Seite. B setzt sich ohne Nachschlag wieder hin. Ich komme wieder rein, gebe B ihre 2. Portion... A fängt an loszubrüllen: Du hast B die 3. Portion gegeben!!! Das darf die nicht! Nur zweimal. Die hat aber dreimal!!!"
Ich versuche die Situation aufzuklären, erkläre, dass B eben gar nix bekommen hat, sondern jetzt erst ihre 2. Portion bekommt.
A darauf: "Nein, das ist die dritte Portion. Das ist sooooo unfair. Die war eben schon bei dir!"
Ich: "Nein, da musste ich kurz raus. Da habe ich ihr gar nichts eingefüllt!"
A: "Jawohl....Das ist soooo gemein. Die darf drei und ich nicht!"
Ich: "ein, B darf auch nicht dreimal Wackelpudding. Aber du solltest auf dein Schälchen schauen und nicht gucken, was andere Kinder machen."
A fing darauf hin so an zu weinen, beschwerte sich bei allen Betreuern, dass B ja dreimal Nachtisch durfte und machte ein Theater...Und das nur wegen Wackelpudding...Puuuh

Heute nachmittag spielen A und B dann draußen mit einem Ball. Ich höre A auf einmal wieder ganz laut schreien. Denke schon, da ist wer-weiß-was passiert, Unfall, Schmerzen oder so.
A: "Schluchz, heul, wein... Die B hat den Ball jetzt in der Hand und gibt ihn mir nicht wiiiiiedeeeeer...Schnief!"

Ähm okay. MITEINANDER statt gegeneinander wär doch viel schöner...Und immer dieser Neid...
Aber immerhin: Zweimal Theater wegen gar nix =)

Dienstag, 8. Oktober 2013

Wünsche

Wir haben einen Briefkasten, in dem die Kinder kleine Briefe mit Wünschen einwerfen können. Heute war er wieder überfüllt. Anfangs waren das noch erfüllbare Wünsche, wie selbstgemachte Pizza, ein Ausflug oder bestimmte Früchte. Auch ein Spielzeug wurde sich schon gewünscht. Das, was wir erfüllen können, erfüllen wir auch. So wurde besagtes Spielzeug (Playmobil) angeschafft, wir machen nun wöchentlich die gewünschten Ausflüge zum Spielplatz und auch der Wunsch nach bestimmten Mahlzeiten konnte erfüllt werden...

Leider wurden die Wünsche irgendwann immer abstruser, so dass es sich kaum noch lohnte, einen Blick in den Briefkasten zu werfen... Heutige Wünsche waren unter anderem:

  • Ich wünsche 100 € Ich MIR auch, aber wenn ich das Geld mal so übrig hätte, wüsste ich besseres damit anzufangen, als es zu verschenken...
  • Ich will ein Wasaban Überleg, aaaah , eine Wasserbahn...Im Winter? Dann wohl eher eine Schlittschuhbahn^^
  • Ich will dass XY weg geht Nein, XY (Erstklässerin übrigens) wird bleiben!!!
  • Und dass ich nicht mehr in OBBS gehe OBBS? Ich kenne OGGS...OBBS = ordentliche beste bewundernswerte Schule? Die will ich auch =) 
  • Ich fermise dich, Erzieherin im Chaos, ich will das du bleibst Das will ich auch, für mich der schönste Wunsch. Der ist auch glatt in meine Hosentasche gewandert und prangt nun an meiner Kühlschranktür...Hach...

Montag, 7. Oktober 2013

Nicht mehr lange

9 Mal "darf" ich noch zur Arbeit gehen. Was ist dann? Nichts...Eine andere Anstellung zu finden ist echt schwer. Ohne Auto, mit Kind und an Tagesmutterzeiten gebunden...

Ich werde die nächsten 9 Tage glücklich zur Arbeit gehen. Auch wenn ein bitterer Nachgeschmack immer zu spüren ist...Die Kinder. Viele wollen nicht, dass ich gehe, klammern sich an mich. Heute meinte eine Drittklässlerin: "Du darfst nicht gehen, ich hab dich doch so lieb!" Das treibt mir die Tränen in die Augen...

Die Eltern. Immer noch schockiert. Mache erfuhren es erst heute. Waren fassungslos. Sie bedauern es, dass ich gehe.

Das Team. Eine Person weniger, die sonst den ganzen Tag da war. Nein, Ersatz oder Mehr-Stunden gibt es nicht. Das wird happig...

Andererseits wird sich für mich vielleicht ein neues Türchen öffnen. Wobei, wenn ich es mir aussuchen könnte, dann würd ich einfach bleiben!!!

Freitag, 4. Oktober 2013

Kleiner Lichtblick

Heute hatte ich ein Gespräch. Ein wichtiges Gespräch... Meine Chefin teilte mir mit, dass sie sich die letzten Tage auch sehr viele Gedanken gemacht habe. Ich sei eine klasse Mitarbeiterin, man könne mich nicht einfach gehen lassen...
Mal eben zur Situation bei uns:
Es gibt diejenigen, die fest angestellt sind, zwischen 20 und 30 Std die Woche arbeiten und dafür natürlich auch die Steuerkarte hinhalten müssen (meine momentane Stelle). Dann gibt es Honorarkräfte. Einmal auf 400€-Basis, die arbeiten täglich 3 Std, helfen unter anderen bei den Hausaufgaben und in der Küche. Und zum Schluss haben wir noch Kräfte, die NUR Hausaufgaben machen. 1 Stunde am Tag.
DAS wird meine neue Stelle sein. Ist zwar erstmal recht wenig, so gesehen, aber bevor ich gar nix habe, mache ich das doch erstmal.
Sobald ich eine andere Stelle finde, kann ich an meiner jetzigen Schule sofort gehen, da ich an keine Kündigungsfrist gebunden bin...

Der negative Punkt: Eine Kollegin muss dafür gehen. Das Team war begeistert, die Kollegin weniger. Da es aber in der Vergangenheit schon mehrmals Probleme mit ihr gab, hatte sie sich das schon gedacht...

Fazit: Die Arbeit an der Schule wird mir vorerst (wenn auch gekürzt) erhalten bleiben...Dieser Blog kann weitergeführt werden... JIPPPPPIEH!!!

Mittwoch, 2. Oktober 2013

Mein Leben wird sich ändern (müssen)

Gestern war der Chef da. Der ganz hohe Chef. Und die ganz hohe Chefin. Die eigntlich nur in ihren Büros sitzen. Und nur bei Problemen mal kommen. Da gibt es ein Problem. Und zwar mit mir...

Mir wurde gestern mal knallhart vor den Kopf geworfen, dass ich ab Mitte des Monats arbeitslos sein werde. Man habe kein Geld mehr, um mich zu bezahlen.

Meine Leistung? Erstklasse. Die Kinder? Lieben mich! Das Team? Lobt mich in den höchsten Tönen... Und doch ist das alles nix wert...

Habe dann heute Nacht nur geheult. Wie soll es weitergehen??? Kind, ohne Job, keine Stelle die annähernd so ist, wie die jetzige, in Aussicht...

Bin dann heute zur Arbeit. Habe gedacht, ich pack das schon. Genießt du deine letzten Tage noch. Pustekuchen. Hab wieder angefangen zu heulen. Die Kinder sind so traurig, dass ich gehe (ein Mädchen wollte den Chef verprügeln^^), das Team hat geweint. Die Chefin ist einfach nur schockiert. Ich auch.

Bin jetzt zuhause. Kann heute nicht arbeiten. Das sitzt alles noch so tief. Ich bin so gerne da. Ich liebe diese Schule, jedes Kind, das Team. Und das soll jetzt alles aus sein?!

Mein Arbeitgeber hat kein Geld. Für mich. Alle anderen bleiben, müssen aber stark umstrukturieren.
Die Eltern wollen Unterschriften sammeln. FÜR mich. Damit ich bleibe. Aber ob das was bringt???

Geld ist wichtig. Wohl auch wichtiger als vieles andere. Wichtiger zumindest als die Kinder, denn die müssen jetzt mit einer Betreuungsperson weniger auskommen. Und ob die Kinder traurig sind, das interessiert nicht. Geld regiert die Welt...

Was sagt ihr dazu???